Historisches / Romane
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Aischa und Mohammed

Autor(en): Kamran Pascha
Verlag: Scherz Verlag
Preis: 19.95
ISBN: 978-3-502-10209-0
Erschienen: März 2010

Durschnittliche Bewertung: Bewertung: 4 von 5 Sternen

Buchauszug:

Ich blickte auf und sah Yacubs zornige Miene.
"Jetzt ist es wohl an uns zu lachen, du kleine Hure."

Im selben Augenblick trat ein junger Moslem namens Muzaffar hinzu. Ohne mich anzusehen, reichte er mir einen Umhang. Ich nahm ihn und bedeckte damit mein Haar.

Rot vor Wut wies Muzaffar den jüdischen Burschen zurecht.
"Wie kannst du es wagen, so mit ihr zu sprechen! Sie ist die Mutter der Gläubigen!"

Yacub lachte ihn aus. Da andere Burschen seines Stammes seine Auseinandersetzung mit dem Muslim beobachteten, musste er, um seine Männlichkeit nicht zu gefährden, als Sieger daraus hervorgehen.

"Ihr Araber bezeichnet eure Kinder als Mütter", schnaubte er. "Kein Wunder, dass ihr die Köpfe nicht von den Ärschen unterscheiden könnt! Sie hat doch bestimmt einen hübschen Arsch für eine Mutter... "

Schnell wie der Blitz zog Muzaffar seinen Dolch und schlitzte Yacub mit dem geübten Können eines Schächters die Kehle auf ... Ich schrie vor Entsetzen, aber meine Stimme wurde übertönt vom Geschrei der Juden, die herbeieilten, den gefallenen Gefährten zu rächen. Sie warfen Muzaffar zu Boden, schlugen und traten auf ihn ein, bis sein Schädel zerbarst. ...

Zum ersten Mal war Blut geflossen zwischen den Söhnen Isaaks und denen Ismaels. Bald schon würde das Rinnsal des Todes zur Flut anschwellen.

Die Übersetzung des amerikanischen Originals, das unter dem Titel "Mother of the Believers" erschien, stammt von Irmengard Gabler.

README Buchbesprechung:

Autor: avb, Datum: 01.03.2010
Buch-Bewertung: Bewertung: 4 von 5 Sternen
Aischa galt und gilt als Lieblingsfrau des Propheten Mohammed, auch wenn er nach ihr noch eine ganze Reihe anderer heiratete, aber einen Roman über sie und ihre Liebe schreiben? So als ob die beiden ganz normale Menschen gewesen seien? Über Aischas schreckliche Eifersucht auf die Zweit-, Dritt- und Fünftfrauen wie über die vielen Jahrzehnte dauernden Kämpfe, die der Prophet gegen andere Stämme wie gegen Abweichler ausfechten musste, weil er - wie alle Propheten vor und alle Fanatiker nach ihm - ein Fundamentalist war, der keine andere Meinung duldete?

Es geht. Kamran Pascha, laut Klappentext "Drehbuchautor und Produzent in Hollywood" beschreibt sich selbst im Nachwort des überzeugenden Romans als "gläubigen, praktizierenden Moslem", ein "Sayyid, ein direkter Nachfahre des Propheten über seine Tochter Fatima und seinen Enkel Husayn. Für mich war dieser Roman eine lohnende Reise ins Herz meiner religiösen Tradition, wie auch ein erhellendes Studium der leidenschaftlichen und komplizierten Menschen, die meine Vorfahren waren."

Kamran Paschas "Intention war es, den Menschen der westlichen Welt einen Blick auf den Reichtum in der muslimischen Tradition zu ermöglichen". Das ist ihm gelungen, und - was ich noch wichtiger finde - er macht nicht nur die Zeit des Propheten Mohammed vor 1400 Jahren verständlicher, sondern auch die Reaktionen seiner modernen Nachfahren, den Hass zwischen einzelnen Stämmen und Clans im Iran, die Grausamkeit der Al-Quaida- Terroristen, die Demütigung, die so viele Moslems spüren, wenn sie den Glanz des siebten Jahrhunderts mit dem Elend des Jetzt vergleichen. Dazu kommt:

Der Autor lässt die jungen Aisha selbst von ihrer Liebe zu dem Mann erzählen, der die Wüstenclans zu Allah bekehrte, sie vereinigte, und sie erzählt spannend. Von ihrer immer wachen Eifersucht, von ihrem Hass auf männliche Konkurrenten um die Aufmerksamkeit Mohammeds, von ihren archaischen Ehrengesetzen, ihrer Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen und sich selbst, ihrer Grausamkeit.

Kamran Pascha macht ganz klar - ich schätze, eher unabsichtlich -, dass sich seit Aischas Zeiten nicht viel geändert hat an den Überzeugungen der moslemischen Araber. Da der Koran ja buchstäblich die Worte Gottes enthält, wie sie Mohammed von Erzengel Gabriel diktiert wurden, darf daran nichts geändert werden. Neue Interpretationen wären (so glaube ich) möglich, aber wirklich Gläubige halten sich weiterhin an das, was seit Jahrhunderten fromm geglaubt wurde - und kämpfen ohne Rücksicht um die Vorherrschaft ihrer Überzeugungen. Wie einst Mohammed.

Ein spannendes Buch? Auf jeden Fall. Als gut recherchierte History fiction (über den realen Mohammed gibt es mehr glaubwürdige Quellen als über jeden anderen Propheten und Kamran Pascha hat sie klug genutzt), als glaubwürdig-anrührender Liebesroman und als Polit- und Psychobuch, dass dem Leser sehr klare Einblicke in das Leben der modernen Moslems gewährt.

Demnächst will der Autor einen Roman über die letzte, mittelalterliche Schlacht um Jerusalem veröffentlichen, über den Kampf des moslemischen Helden Saladin gegen die Kreuzritter unter Richard Löwenherz. Nachdem ich "Aischa und Mohammed" wie im Rausch verschlungen habe, freue ich mich darauf. Sehr.


Ich habe das Buch gelesen und möchte ...

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