Belletristik / Lustromane
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Axolotl Roadkill

Autor(en): Helene Hegemann
Verlag: Ullstein Verlag
Preis: 14.95
ISBN: 978-3-550-08792-9
Erschienen: Anfang 2010

Durschnittliche Bewertung: Bewertung: 3 von 5 Sternen

Buchauszug:

In diesem Moment, hätte ich am liebsten bitterlich geheult, aber das ging nicht. ich wollte diesen Heulimpuls einfrieren, um ihn später wieder aufzutauen und bei der Erinnerung daran so hysterisch wie möglich rumschreien zu können, ohne dass es jemand mitkriegt. Das war eine unglaublich befreiende Vorstellung, aber ich kann diesen Scheiß absolut nicht reproduzieren. ... Ich hätte an wahnsinnig viel denken können, mich hätte wahnsinnig viel ernsthaft beschäftigen können. Zum Beispiel die Frage, was man bei einem Orgasmus sieht, eine gotische Kathedrale oder Tierkinder oder, keine Ahnung, ich sehe immer nur unter Neonlicht geschmolzenen Cheddar-Käse und Bierzeltgarnituren, die kurz davor sind unter mir zusammenzubrechen.

README Buchbesprechung:

Autor: avb, Datum: 25.02.2010
Buch-Bewertung: Bewertung: 3 von 5 Sternen
Helene Hegemann war 17 als ihr Roman veröffentlicht wurde. Nur wenige nahmen "Axelotl Roadkill" zur Kenntnisse, aber die waren begeistert: Helene Hegemann war eine neue, absolut hörenswerte Stimme. mutig, komisch, mitleidlos auch sich selbst gegenüber, provozierend, denn sie schrieb über Sex in jeder Abwandlung zwischen Liebe und Vergewaltigung so drastisch offen wie über die Rauschgiftexzesse ihrer 16-jährigen Heldin. Schrieb sie aus eigener Erfahrung?

Helene Hegemann sagte "nein", und die meisten Interviewer und Rezensenten glaubten und glauben ihr (ich auch). Richtig interessant wurde die Jungautorin allerdings erst, als ein bis dahin ziemlich unbekannter Blogger ihr nachwies, dass sie bei ihm Erfahrungen geklaut hatte, ein paar Zeilen wörtlich für ihr Buch abgeschrieben. Plötzlich wurde ihr Buch bei den entsprechenden Feuilletonisten nicht mehr gelesen, weil sie zweifelsfrei großes Talent hat, sondern weil alle wissen wollten: was ist von ihr selbst, was ist Plagiat?

Ziemlich wenig ist bei anderen geklaut, wie sich achnell herausstellte. Helene Hegemann ist so gut, wie viele das von Anfang an vermutet hatten. Sie ist aber auch eine dieser jungen Sammler, die es heute zwischen Bloggern, Twitteratzis und Facebook-Friends überall gibt, Leute, die alles übernehmen  was sie bei anderen gut finden. Ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. So wie "man" das heute eben macht.

Naja, Schnee von gestern. In den nachgedruckten Roakills gibt inzwischen es die entsprechenden Danksagungen an den betroffenen Blogger, die das Abschreiben legalisieren. Und endlich kann man das Buch wieer lesen als das, was es ist - ein wirklich gutes Erstlingswerk, das viele Nachahmer finden wird. So wie einst Goethes "junger Werther". Keine Selbstmörder wie anno dazumal, aber vielleicht junge Leute, die Drogen so lässig konsumieren wie die Roadkill-Heldin?

Sehr unwahrscheinlich. Erstens weil es seit Jahrzehnten weit härtere Beschreibungen gibt, und zweitens weil die Autorin ihr Bild der zweitausender Jugend so grell einfärbt, dass Übertreibung zum Stilmittel wird. Einem so gekonnt genutzten, dass "Axolotl Roadkill" von einem >ersten Versuch< in den ersten gelungenen Roman einer viel versprechenden Autorin verwandelt.

Ich habe das Buch gelesen und möchte ...

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