Sachbücher / Lesbare Wissenschaft
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Das ganz normale Böse
Autor(en): Reinhard Haller
Verlag: Ecowin Verlag
Preis: 19.95
ISBN: 978-3-902404-80-0
Erschienen: 2009
Durschnittliche Bewertung:
Verlag: Ecowin Verlag
Preis: 19.95
ISBN: 978-3-902404-80-0
Erschienen: 2009
Durschnittliche Bewertung:
Buchauszug:
Wie kann es sein, dass der freundliche ältere Herr in unserer Straße als Lagerkommandant in einem Konzentrationslager tausende Menschen in den Tod geschickt hat? Wie ist es möglich, dass ein netter Kollege im Krieg an Gräueltaten beteiligt gewesen ist, wie kann ein Sexualmörder völlig unauffällig unter uns leben? ....Die psychiatrische Antwort lautet, dass in jedem Menschen das Gute und das Böse vorhanden ist und je nach Veranlagung, Erziehungseinflüssen, Lebenserfahrungen und äußeren Umständen in der einen oder anderen Form manifest werden kann. Sofern psychische Krankheiten keine Rolle spielen, muss der Menschen die Fähigkeit zur Spaltung in ganz gut und ganz böse, in normal und abnorm besitzen und imstande sein, mit diesem unmittelbaren Nebeneinander zu leben. Es erübrigt sich also die Frage nach einer Unterscheidung in gute und böse Menschen.
README Buchbesprechung:
Autor: avb, Datum: 08.03.2010Buch-Bewertung:
Ganz so leicht, wie es in dem hier zitierten Buchabschnitt klingt, macht sich Professor Dr. med. Reinhard Haller die Antwort auf die Frage nach dem "ganz normalen Bösen" natürlich nicht. Schließlich hat er seit 1983 als psychiatrischer Sachverständiger mehr als 300 des Mordes angeklagte Menschen begutachtet, das heißt: Er hat in oft stundenlangen Gesprächen mit den Tätern nach Erklärungen gesucht.
Eine eindeutige Antwort fand auch er nicht, aber in seinem klugen und informativen Buch kommt er zum selben Schluß, den einst die frühen christlichen Theologen mit der "Erbsünde" erklärten:
Das Böse ist Teil des Menschen, untrennbar mit unserer Seele (religiöse Wortwahl) oder mit unserer Psyche (wissenschaftliche Bezeichnung) verflochten, Teil unseres Ichs. Es gibt allerdings eine Reihe von Eigenschaften, aus denen "das Böse" seine Kraft gewinnt. Narzismus, eine übersteigerte Liebe für sich selbst, ist eine davon, "sadistische Aggression" eine andere, bei der sich die Aggression "in ihrer reinen, primitiven Urform entladen", statt sich imn eine "höhere, kultiviertere Form verwandeln zu lassen, etwas in Leistung und Wettbewerb, in Sport und Kreativität."
Erklärungen wie diese, die uns zeigen wie unsere Eigenschaften (z. B. Aggression) uns sowohl in Richtung Gutes wie Böses drängen können, machen das Buch spannend und schaffen im Gehirn neue Verknüpfungen. Und sie nehmen Nachrichten über Terroranschläge oder Sexualmorde, Folter odert wüste Prügeleien den ganz großen Schrecken. Weil der Gerichtspsychiater uns mit dem " ganz normalen Bösen" gezeigt hat: Wir alle haben ähnliche Eigenschaften, aber es ist unsere Entscheidung, wie wir sie entwickeln und wozu wir uns von ihnen treiben lassen.
Tatsächlich? Haben wir wirklich einen freien Willen? Über dieses Paradigma der Moderne wird zur Zeit unter Psycho- und Neurologen heftig gestritten. Falls Sie mitstreiten wollen: Bei Haller finden Sie gute Argumente für Ihre ganz persönliche Freiheit.

