Belletristik / Edelromane
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Das Labyrinth der Wörter

Autor(en): Marie-Sabine Roger
Verlag: Hoffmann und Campe
Preis: 18
ISBN: 978-3-455-40254-4
Erschienen: Februar 2010

Durschnittliche Bewertung: Bewertung: 5 von 5 Sternen

Buchauszug:

Ich habe beschlossen, Margueritte zu adoptieren. Sie feiert bald ihren sechsundachtzigsten Geburtstag, da sollte man nicht zu lange warten. Alte Leute sterben gern.

Und wenn ihr dann etwas passiert - was weiß ich, dass sie auf der Straße hinfällt oder dass man ihr die Handtasche klaut -, werde ich da sein. Ich werde sofort losrennen, die Leute zur Seite schieben und sagen:"Okay! Schon gut, ihr könnt euch verziehen! Ich kümmere mich darum: Das ist meine Großmutter."

Dass sie nur adoptiert ist, steht ihr ja nicht auf der Stirn geschrieben.

... Vor ihr habe ich nie eine Familie gehabt.

Die so poetische wie knappe Übersetzung von "Le tete en friche" aus dem Französischen stammt von Claudia Kalscheuer.

README Buchbesprechung:

Autor: avb, Datum: 11.02.2010
Buch-Bewertung: Bewertung: 5 von 5 Sternen
"Das Labyrinth der Wörter" wurde in Frankreich mit einem wichtigen Literaturpreis ausgezeichnet - zu Recht. Und die Filmrechte sind schon verkauft. Das verblüfft, denn diese kleine, feine Roman liefert zwar eine Liebesgeschichte, eine besonders schöne, aber keine Glamourrollen, denn:

Der Icherzähler Germain ist in den Augen der meisten Menschen ein Versager: Die Schule abgebrochen, nie einen richtigen Beruf gelernt, als Heim einen alten Wohnwagen züchtet er vor dem Haus, in dem seine abweisende Mutter mehr schlecht als recht vor sich hin altert, Gemüse. Seine Lieblingsbeschäftigung: Im nahe gelegenen Park die Tauben zählen und seinen Namen auf das Kriegerenkmal schreiben, das dort steht.

Hier trifft er Magueritte, die seine Taubenliebe teilt und ihn auch sonst wie einen vollwertigen Menschen behandelt, einen dem sie vorlesen kann. Zum Beispiel aus der "Pest" von Camus. Anspruchsvolle Lektüre, aber Margueritte überspringt alle langweiligen Stellen, und Germain ist bezaubert, von der alten Dame wie von der dramatischen Geschichte aus Algier.

Marie-Sabine Roger beschreibt diese Lovestory zwischen alt und sehr viel jünger, zwischen Bildungsbürgerin und Prekariatsmann beinahe nüchtern, aus der Sicht des rund 40jährigen Arbeitslosen, den selbst die Freunde, mit denen er abends trinkt, für einen Dummkopf halten. Das Ergebnis ist ein kleines Meisterwerk, knapp 200 Seiten, das begeistert und dessen Lektüre glücklich macht - weil sie den Glauben an das Gute, Schöne und Interessante in allen Menschen bestätigt. Und daran, dass auch harmlos aussehende Bücher wie das "Labyrinth der Wörter" schlicht glücklich machen können.

Es fängt leise an - und wird immer lauter, eindringlicher

Autor: sophia, Datum: 22.04.2010
Buch-Bewertung: Bewertung: 5 von 5 Sternen
Ich habe selten so ein eindringliches und tolles Buch in der Hand gehabt.
Der Titel wird dem Inhalt nicht gerecht (warum er mir wohl auch immer wieder entfällt).
Ein Spiegel unserer Gesellschaft, der deutlich macht - wie wichtig Bildung ist. Nich nur für unseren Kopf - sonder vor allem für die Seele.
Das Buch kommt ganz ohne erhobenen Zeigefinger aus. Es zeigt einfach die die Synapsen, die sich bilden, schließen - wenn die emotionale Intelligenz mit Bildung und Herzenswärme in Berührung kommt.

Ich habe das Buch gelesen und möchte ...

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