Belletristik / Lustromane
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Der Koch

Autor(en): Martin Suter
Verlag: Diogenes Verlag
Preis: 21.90
ISBN: 978-33-257-86193-8
Erschienen: Februar 2010

Durschnittliche Bewertung: Bewertung: 4 von 5 Sternen

Buchauszug:

Beim ersten Versuch stellte sich Andrea noch etwas ungeschickt an, aber sobald sie den ersten Bissen im Mund hatte, achtete sie nicht mehr auf die Technik, nur noch auf den Geschmack. Es war, als könnte sie jedes Gewürz herausschmecken. Als würde jedes einzeln explodieren und das Ganze sich zu einem sich immer wieder neu formierenden Feuerwerk entfalten.

Auch die Schärfe war genau richtig. Sie brannte nicht auf der Zunge, machte sich kaum bemerkbar und hielt sich für den den Abgang bereit. Und auch dann verhielt sie sich wie ein zusätzliche Gewürz, eine letzte Intensivierung des Geschmackserlebnisses, und hinterließ eine wohlige Wärme, die in der Zeit, die Andrea brauchte, um einen neuen Bissen zu formen, sanft verebbte.

"Hast du Heimweh?" fragte sie.

README Buchbesprechung:

Autor: avb, Datum: 25.02.2010
Buch-Bewertung: Bewertung: 4 von 5 Sternen
Hat eigentlich jemand vor Martin Suter mit der selben Liebe und der selben Präzision über Essen geschrieben? Und über die erotische Kraft, die das richtige, liebevollst gekochte Essen entfalten kann? Nicht das ich wüsste, und auch deshalb ist der Bestseller "Der Koch" ein Buch das sich viele Millionen mal verkaufen sollte. Damit jeder, der jetzt abends noch Brot mit Harzer Käse oder Knoblauchsalami isst und sich dann wundert, wenn von Lust keine Rede sein kann, endlich lernt:

Essen kann tatsächlich "Love Food" sein, so wie der Tamile Maravan es zusammen mit der Schweizerin Andrea in ihrem unangemeldeten und illegal arbeitenden Catering-Service für die Reichen anbietet - weil seine fabelhaften Kochkünste in keinem offiziellen Restaurant gewürdigt werden und in seiner Heimat die Großfamilie auch von einem arbeitslosen Auswanderer Geldbriefe erwartet.

Suter mischt in seinen Lesecocktail von der Verführungskraft des Essens, der Liebe des Asylanten zur schönen Schweizer Kellnerin Andrea und deren Sehnsucht nach einer noch schöneren Äthiopierin eine Menge Politik. Von der globalen Bankenkrise über europäische Migrationsprobleme bis zum Kampf der Tamilen um mehr Freiheit. 

Was nach der letzten Seite in Erinnerung bleibt, ist das Selbe wie nach einem nicht nur erstklassig gekochten, sondern durch Geschmack, Geruch und Optik rundrum befriedigenden Essen. Es ist das Gefühl von Glück. Und das Beste daran:  Im Gegensatz zu einem Menü kann "Der Koch" dieses Glück mehrmals vermitteln: Beim zweiten Lesen schmeckt er noch intensiver als beim ersten.


Ich habe das Buch gelesen und möchte ...

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