Belletristik / Edelromane
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Die Entdeckung des Lichts

Autor(en): Ralf Bölt
Verlag: Dumont Buchverlag
Preis: 19.95
ISBN: 978-3-8321-9517-5
Erschienen: September 2009

Durschnittliche Bewertung: Bewertung: 4 von 5 Sternen

Buchauszug:

Sarah Faraday konnte oben in der Wohnung die Dielen nicht knarren hören, die sich unten im Magnetischen Laboratorium unter den Schritten ihres Mannes bogen. Das blieb den Ratten des Hauses vorbehalten. Den Alltag im Keller kannte sie aber genau. Sie glaubte, bis in die Geräusche und Gerüche daran teilzunehmen, während sie die Laute der Straße schon lange nicht mehr bewusst wahrnahm ...

Wenn sie Faraday in den ersten Abendstunden wegen seiner zeitraubenden Korrespondenz nicht sah, war das nicht wie während des langen Tages. Obwohl sie mit einem Ohr immer zur Treppe und nach unten lauschte, weil sie auf ihn wartete, kam sie abends zur Ruhe. Das hatte sich in den letzten Jahren nicht wie so vieles andere verändert. Schrieb er, so war alles gut.

README Buchbesprechung:

Autor: avb, Datum: 22.10.2009
Buch-Bewertung: Bewertung: 4 von 5 Sternen
Michael Faraday, 1781 als Sohn eines sehr wenig erfolgreichen  Hufschmieds geboren, kennen die meisten Menschen heute höchstens noch als Erfinder des "Faradayschen Käfigs", der - zum Beispiel - die Insassen eines Auto oder eines Flugzeugs vor Blitzen schützt. Weil ihr Bechkleid die Elektrizität um sich herum fließen lässt und so den Inneraum schützt.

Oder so ähnlich. Ich verstehe nichts von Physik, und das Buch über einen Physiker wollte ich eigentlich gar nicht lesen. Aber dann fesselte mich sein Autor Ralf Bönt schon mit den ersten Zeilen (siehe oben). Durch seine aufs äußerste verknappte und trotzdem so bildhaft-eindringliche Sprache. Und plötzlich war auch Michael Faraday interessant, als ungeheuer begeisterungsfähiger Mensch wie als unermüdlicher Wissenschaftler.

Er bildete sich selbst aus, indem er alles las, was ihm in die Hände fiel. Erst als Zeitungsbote und Buchbinderlehrling, dann als weitgehend übersehener Diener eines renommierten Londoner Wissenschaftlers und miserabel bezahlter Flaschenspüler in dessen Labor. Aber er experimentierte in jeder freien Minute selbst, entdeckte zwei bis dato unbekannte Elemente und atmete dabei reichlich giftige Dämpfe ein, die ihm erst seine Denkfähigkeit dann sein Leben raubten. So lange sein Verstand funktionerte, erfand er jedoch den ersten Dynamo und kam er zu brillanten Erkenntnissen über den Zusammenhang zwischen Elektrizität und Magnetismus, die magnetischen Eigenschaften des Lichts. Kein Wunder, dass Albert Einstein rund hundert Jahre später ein Bild Faradays über seinem Schreibtisch hängen hatte.

Ralf Bönts Lebenslauf ähnelt ein bisschen dem seines Romanhelden. Er machte eine Handwerkerlehre, studierte dann erst Physik und war so gut, dass er unter anderem am Genfer CERN forschen durfte. Wozu nur die Besten eingeladen werden. Aber dann wechselte er den Beruf, begann zu schreiben, erntete mit seinen Erzählungen, Hörspielen und Essays reichlich Lob unter professionellen Kritikern, aber das Publikum blieb weitgehend abstinent. "Die Entdeckung des Lichts" könnte das ändern:

Dieser außergewöhnliche Roman über Faraday und - in der zweiten Hälfte - Einstein ist mindestens so gut wie der 2005er Bestsellererfolg "Die Vermessung der Welt" über den Mathematiker Gauss und den Forschungsreisenden Alexander von Humboldt von Daniel Kehlmann. Ein Me-too-Buch? Hängt sich Bönt hier an seinen erfolgreichen Kollegen an?

Mag sein, dass Kehlmanns Ruhm ihm Mut zu einem eigenen Wissenschaftsroman gemacht hat. Mag auch sein, dass er die sprachliche Brillanz des Konkurrenten so bewunderte, dass er seinen eigenen Stil auf die absolut notwendigen Wörter verknappte, aber jeder Autor lernt von anderen. Die wirklich guten, zu denen Bölt mit der "Entdeckung des Lichts" endgültig gehört, machen etwas ganz Eignes, Neues aus den Anregungen, die ihnen fremde  Bücher vielleicht lieferten.

In der Schilderung von Faradays erstaunlichem Leben vermischt Bölt höchst raffiniert und mit leichter Hand die zärtliche Liebe des Self-made-Forschers zu Sarah (und die Faszianation, die eine exzentrische Gräfin trotzdem auf ihn ausübt) mit seiner rücksichtslosen Hingabe an die Wissenschaft. Er eröffnet einen neuen Blick auf die vielen Faradayschen Forscherkollegen, die  in ganz Europa verbissen miteinander konkurrierten, ihre eigenen Überlegungen und Erkenntnisse aber oft auch erstaunlich großzügig teilten. Er macht Geschichte lebendig und einen Mann des 19. Jahrhunderts, an dessen Namen die meisten sich allenfalls aus dem Physik- oder Chemieunterricht erinnern, dunkel, wieder aktuell.  Nicht nur als genialen Entdecker, sondern als kennens- und liebenswerten Menschen.

"Die Entdeckung des Lichtes" wird niemand enttäuschen, der nach einem so fundiert-interessanten wie warmherzigen wie großartig geschriebenen Roman sucht. Ralf Bölt hat es verdient, dass das Buch bald auf allen Bestsellerlisten steht.






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