Thriller und Krimis / Literarische Krimis
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Ein reines Gewissen
Buchauszug:
Complaints and Conduct hieß ihre Abteilung offiziell. Sie waren die Polizisten, die gegen andere Polizisten ermittelten. Die "Leisetreter", die "Schleichbrigade". Innerhalb der Abteilung gab es eine Untereinheit- die Professional Standards Unit. Während Complaints and Conduct die bodenständigen Fälle bearbeitete - Beschwerden über Streifenwagen, die auf Behindertenparkplätzen standen, oder Polizisten in der Nachbarschaft, die zu laut Musik hörten -, galt die PSU zuweilen als "die dunkle Seite". Ihre Ermittler spürten Rassismus und Korruption auf. Sie befassten sich mit Fällen, in denen Schmiergelder kassiert oder beide Augen zugedrückt worden waren. Sie gingen geräuschlos, akribisch und entschlossen vor und verfügten über so viel Macht, wie sie brauchten, um ihre Arbeit zu erledigen. Fox und sein Team gehörten zur PSU ...Die geschmeidig-knackige Übersetzung des englischen Originals "The Complaints" lieferte Juliane Gräbener-Müller
README Buchbesprechung:
Autor: avb, Datum: 08.03.2010Buch-Bewertung:
Jan Rankin - inzwischen überragt der in fettem Lila gedruckter Name auf dem Cover seines neuesten Buches den dezent grauen Titel um fast das Dreifache. Und obwohl eine softlila Zusatzzeile über Autorennamen und Titel den Leser warnt, dass er hier keinen neuen John-Rebus-Krimi bekommt, sondern einen "Fall für Malcolm Fox" leuchtet die Betonung von Jan Rankin persönlich sofort ein. Schließlich beförderte er durch seine Romane um den Polizeiinspektor John Rebus seine Heimatstadt Edinburgh zu einem der wichtigsten Bezugspunkte auf der Landkarte der Polizeikrimi-Fans, gleichberechtigt neben LA, New York, London und Moskau, wo sein russisches Alter Ego Arkadi Renko immer noch arbeitet.
17mal durfte Rebus gegen die Bösen unter den Edinburghern antreten und sie mit so viel Raffinesse besiegen, dass Fans in aller Welt den jeweils neuesten Fall sehnsüchtigst entgegenfieberten. Weil Rebus so glaubwürdig wie menschlich auftrat, ein weiser Melancholiker, aber keine bemitleidenswerter Depri wie seine schwedischen Krimikollegen. Doch nun ist Schluß. Jan Rankin hat Rebus endlich in Pension geschickt und einen Nachfolger erfunden, der bald ebenso viele Freunde haben wird. Malcolm Fox, den internen Ermittler auf der Spur von korrupten Polizisten.
Zugegeben: Fox ist Rebus ziemlich ähnlich. Auch Alkoholiker, allerdings seit ein paar Jahren trocken, Single, Skeptiker von Berufs wegen, ein Mann, der gern um alle Ecken schaut und nichts dagegen hat, die finstersten Winkel Edinburghs zu durchstöbern. Im diesem Fall auf der Spur eines Kollegen, der ihm sehr viel besser gefällt als die Chefs, die ihm die Überprüfung befohlen haben.
Natürlich liest sich das so spannend wie einst die Rebus-Fälle, ist psychologisch so fundiert und einleuchtend. Jan Rankin, der übrigens mit Frau und zwei Kindern in der schottischen Hauptstadt lebt, ist ja inzwischen ein mit vielen Preisen geehrter Vollprofi. Sein "reines Gewissen" ist deshalb eine Freude für Rankin-Fans und - falls es so jemand tatsächlich noch geben sollte - ein absolutes Muss für Krimileser, die Edinburgh noch nicht kennen.

