Historisches / Romane
Druckversion
Quipu
Autor(en): Agustin Sanchez Vidal
Verlag: Deutscher Taschenbuchverlöag/Premium
Preis: 14.90
ISBN: 978-3-423-24757-3
Erschienen: Dezember 2009
Durschnittliche Bewertung:
Verlag: Deutscher Taschenbuchverlöag/Premium
Preis: 14.90
ISBN: 978-3-423-24757-3
Erschienen: Dezember 2009
Durschnittliche Bewertung:
Buchauszug:
In diesem Moment fielen ihm Boncalcios Worte wieder ein, mit denen er ihn in die Verbannung geschickt hatte: Denk daran, du dienst dem Staat. Und wir haben unsere guten Gründe, um so zu handeln. Nein, er würde sich nicht wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, in sein Schicksal ergeben. Er würde dem Geheimnis der Chronik und dieses rätselhaften Quipus auf die Spur kommen! ..."Paco, schafft es dieses Schiff bei den derzeitgen Windverhältnissen hinaus aufs offene Meer?"
"Auf jeden Fall ...."
"Dann sollte ich mich am besten gleich jetzt aufs Schiff schmuggeln."
"Aber Senor, das ist verrückt!"
"Meinst du, es ist vernünftiger. mich auf die Kanaren verschiffen zu lassen, während der Mörder meines Vaters mit diesem Schiff flieht? ... Was ist? Hilfst du mir?"
Die Übersetzung des Originals "Nudo de sangre" aus dem Spanischen stammt von Marianne Gareis.
README Buchbesprechung:
Autor: avb, Datum: 04.03.2010Buch-Bewertung:
Agustin Sanchez Vidal war lange nur in spanischen Akademikerkerkreisen berühmt - als Professor für Film- und Medienwirtschaft an der Uni Zaragossa und "als einer der weltweit anerkannten Experten für das Werk von Louis Bunuel und Carlos Saura" (sagt der Klappentext und lobt ihn außerdem für Film- und TV-Drehbücher plus Monographien zur Literatur, Fim- und Kunstgeschichte). Dann schrieb er den History-Fiction-Bestseller "Kryptum". Plötzlich wollten auch normal Gebildete mehr vom ihm lesen. Und Sanchet Vidal lieferte "Quipu", einen so spannenden wie informativen Roman über die Eroberung Perus durch die Spanier im 16. Jahrhundert und die Ausbeutung des zum Vizekönigreich avanzierten Landes zweihundert Jahre später .
Natürlich bedient er hier auch die bekannten Klischees - die Schönheit der Einheimischen, ihre Lust am Glanz des Goldes, die Grausamkeit der Inkas, die nur von der der spanischen Eroberer übertroffen wird. Die opfern als Christen zwar keine Menschen, reißen niemand das Herz auf der Brust, aber sie nehmen sich skrupellos die Frauen als Sex- und Hausklavinnen, treiben Männer und Kinder in die Goldgruben, und wer sich nicht taufen lässt, ist in den Augen der Eroberer sowieso völlig rechtlos.
200 Jahre später kommt der junge Spanier Sebastian de Fonseca nach Peru, als Illegaler auf der Suche nach dem Mörder seines Vater. Zusammen mit der (natürlich) bildschönen Mestizin Umina versucht er deshalb, das Rätsel der indianischen Knotenschnüre zu lösen, mit denen die Herrsccher und Priester der Urperuaner Botschaften weitergaben. Und er hofft außerdem, damit den immer wieder als real existierend beschworenen "Schatz der Inkas" zu finden.
Was er natürlich nicht schafft oder nur im übertragenen Sinn, denn der Autor hält sich weitgehend an die überlieferte, geschichtlich nachprüfbare Wahrheit, und die sagt: Über Jahrhunderte hinweg haben europäische Abenteurer versucht, in den alten Reichen Südamerikas versteckte Schätze, ja sogar das sagenumwobene El Dorado, das Goldreich, zu finden, und immer wieder haben sie sich dabei auf die Hilfe einheimischer Frauen verlassen, die sich, ob zu Recht oder zu Unrecht, als die wahren Kinder der Inka-Könige fühlten.
Heute wird in den Anden eher nach neuen Erkenntnissen über die alten Kulturen vor der Eroberung durch die Spanier gesucht als nach goldenen Schätzen. Wer also wissen will, wie es einst zuging, braucht historische Romane, um einen Eindruck von der Religion, dem Herrschaftswissen, der Liebe und Lust der Einheimischen zu bekommen. "Quipu" liefert einen besonders eindrücklichen, erinnerungswerten und glaubwürdigen.

