Thriller und Krimis / Literarische Krimis
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River of Dead

Autor(en): Barbara Nadel
Verlag: headline
Preis: 12.99 Pfund
ISBN: 978-0-7553-3565-7
Erschienen: Frühling 2009

Durschnittliche Bewertung: Bewertung: 5 von 5 Sternen

Buchauszug:

"I´m going to be sick!"

The figure in the wheelchair slumped forward as if to emphasize the point. Prison guard Ramazan Erren, who was pushing the chair, said: "Hang on, Yusuf, we´re nearly there."

"You should have cuffed him", police constable Mete said angrily.

"He is having a heart attack!" Eren responded sharply.

There werde four men with the individual in the wheelchair - two police constables and two prison guards. The man in the chair, their charge, was Yusuf Kaya: drug dealer, murderer and one of Istanbul´s most notroious criminals.

README Buchbesprechung:

Autor: avb, Datum: 21.07.2009
Buch-Bewertung: Bewertung: 5 von 5 Sternen
Wie immer bei Barbara Nadels Krimis sind schon die ersten, oben zitierten Zeilen spannend, und in ""River of Dead" geht es genauso spannend weiter: Der Verbrecher entkommt. Cetin Ikmen, der aus vielen früheren Krimis bekannte Kriminalinspektor der Instanbuler Polizei und sein Freund Mehmet Süleeyman, inwzischen ebenfalls zum Inspektor avanciert, haben alle Mühe den Drogenboss wieder einzufangen - besonders weil Ikmens ältster Sohn plötzlich wieder zu Hause auftaucht, und der hatte oder hat immer noch sehr viel mehr mit Drogen zu tun, als seinem Vater lieb sein kann.

Wie immer bei Barbara Nadels Istanbul-Krimis - und "River of Dead" ist, wenn ich mich nicht völlig verzählt habe, der elfte - liefert nicht die hier erzählte Kriminalgeschichte den Hauptteil der Spannung. Die kommt aus den Charakteren der Mitspieler. Nummer eins ist dabei wie immer der so gar nicht bedeutend wirkende, skeptisch-atheistische, geldlose Inspekteur Ikmen, Haupt einer vielköpfigen Familie, treu verheiratet mit einer traditionell-frommen Muslimin, ab und an überfallen von Erinnerungsblitzen an seine albanische Mutter, die nicht nur von unfreundlich-ämgstlichen Nachbarn als Hexe bezeichnet wurde.

Sein Freund Suleiman ist dagegen der Bestaussehendste unter den Istanbuler Polizisten. Er stammt aus dem Adel der Sultanszeit, hadert mit der Moderne und ist verheiratet mit einer (schwierigen) irischen Psychiaterin. Zusammen folgen die beiden - Suleiman in diesem Fall von der Kleinstadt Kaya in der Südtürkei aus, Ikmen in Istanbul - der blutigen Spur des Drogenbosses. Das Schöne daran ist, wie immer:

Spannender und sehr viel variantenreicher als die (meiner Ansicht nach zu Unrecht) berühmtere Donna Leon für Venedig zeigt Barbara Nadel für Istanbul, was sich hinter den schönen Fassaden verbirgt, wie sehr die vielschichtige Vergangenheit die Menschen von heute beeinflusst, und wie kompliziert das Leben zwischem historischer und religiöser Tradition und dem Forderungen des 21. Jahrhunderts ist.  Vielleicht tue ich Donna Leon auch unrecht, denn:

Im Vergleich mit Leons Venedig ist Nadels Istanbul nicht nur älter, sondern einfach sehr viel interessanter. Der Massenmord an den Armeniern durch die Türken vor rund 100 Jahren spielt hier (und deshalb auch in Nadels Krimis) ebenso seine Rolle wie  der aktuelle Kampf gegen terroristische  Kurden, die einen eigenen Staat wollen. Die Übernahme des einheimischen Verbrecher-"Marktes" durch die Russen seit dem Fall der Sowjetunion macht der Polizei genauso viel Kopfzerbrechen wie die Überflutung der Metropole durch immer neue Einwanderungswellen aus dem armen und noch sehr archaischen Osten der Türkei.

Kurz gesagt: Aus Barbara Nadels Krimis - und "River of Dead" ist ein besonders guter - kann man beim Lesen mehr über die Türkei lernen als man von Venedig je wissen wollte. Nadel gibt, mit leichter Hand, politischen Unterricht. Wer besser beurteilen möchte, was für oder gegen einen Eintritt der Türkei in die EU spricht, findet hier für beides Argumente, ohne dass die kluge Autorin dieses politische Problem überhaupt erwähnt und natürlich ohne dass sie die Spannung ihrer Stories, den notwendigen Thrill vernachlässigt.

Irgendwann demnächst wird "River of Dead" hoffentlich auch übersetzt werden, aber wer einigermaßen gut Englisch kann, wird am Original noch mehr Freude haben, denn - auch da ist Nadel besser als Leon - die sehr geschliffen-präzise Sprache der Autorin für Mordschilderungen wie für Stimmungsbilder  macht das Buch auch für Liebhaber der "guten Literatur" zur Freude. Wer lieber Deutsches liest, kann sich inzwischen mit den früheren Krimis vergnügen, zum Beispiel mit

Tod am Bosporus
Arabeske
Schleier des Todes
Stille Wasser
Anatolischer Totentanz

Diese Bücher wie die Kriminalromane, die ich hier nicht erwähnt habe, weil ich zu faul bin, die Titel herauszusuchen, sind Lese- und Infofreude pur. Und sie machen nicht depressiv (wie etwa die ebenso glänzend geschriebenen und konstruierten Edinburgh-Krimis von Jan Rankin), sondern reiselustig und gierig auf mehr.




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