Thriller und Krimis / Literarische Krimis
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The Lord of Death

Autor(en): Eliot Pattison
Verlag: SHOH-Crime
Preis: 17,17 über amazon
ISBN: 978-1-56947-579-9
Erschienen: 2008

Durschnittliche Bewertung: Bewertung: 4 von 5 Sternen

Buchauszug:

Bisher nur auf Englisch:

No one ever died on Mount Chamalungma, the sherpas always told Shan Tao Yun when he was sent to retrieve a body. A man might freeeze so hard his fingers would snap like kindling, his bones might be shattered in a thousend-foot-fall, but the mother godess mountain - Everest to westernes - captured their spirits, keeping them alive and within her grip for her own purposes. They weren´t exactly alive, but they weren´t dead in the traditional sense, an old sherpa had warned him, as if Shan should expect the corpse he conveyed to be summonend back up the mountain at any time. More than one of Shan´s new friends in the climbing camps insisted that in the winds blowing from the summit they sometimes heard the voices of those who had died years earlier.

README Buchbesprechung:

Autor: avb, Datum: 23.07.2009
Buch-Bewertung: Bewertung: 4 von 5 Sternen
Inspektor Shan Tao Yuns fünfter Fall im Bergland Tibets, und es ist nach "Skull Mantra", dem ersten, eindeutig der spannendste und für politisch Interessierte der informativste. Für alle, denen Shan noch nicht begegnet ist:

Er arbeitete in Peking an der Aufdeckung innerparteilicher Korruption, wurde zu lästig - und landet in einem chinesischen Gulag in Tibet, zwischen Mönchen, die nur ihres Glaubens wegen Zwangsarbeit beim Straßenbau leisten müssen. Sie ermöglichen Shan durch ihr Vorbild an Frömmigkeit, Unerschütterlichkeit und Liebenswürdigkeit das Überleben. Weil der Exinspektor dem chinesischen Lager- und Provinzchef bei der Aufklärung eines Mordes hilft, wird er (gegen alle Gesetze) frei gelassen. Seit dem lebt Shan ohne offiziellen Papiere und deshalb immer in Angst vor einer Verhaftung als Schüler illegaler Lamas als eine Art Mönch. Und klärt Verbrechen auf.

In "The Lord of Death", diesem hochaktuellen, weil 2008 geschriebenen Erste-Klasse-Krimi,  schickt Eliot Pattison seinen "Helden" Shan zum Mount Everest. Dort verdient er sich das klägliche Brot mit dem Transport von Toten, westlichen Bergsteigern und einheimischen Sherpas, von den gefährlichen Eisfeldern der Gipfelregion zum Basislager auf der tibetisch/chinesischen Seite. Und bei dieser Arbeit stolpert er sozusagen über zwei erschossene Frauen - eine Ministerin aus Beijing und eine amerikanische Bergsteigerin.

Eine Koalition aus Politfunktionäre und geldhungrigen Unternehmern wollen diese Morde vertuschen. Shan landet zum zweiten Mal in den Folterkammern der Polzei, wird tatsächlich freigelassen - das einzig Unwahrscheinliche Ereignis dieses großartigen Krimis - und macht sich natürlich auf die Suche nach den Mördern. Das Großartige an Eliot Pattinsons Erzählkunst:

"The Lord of Death" ist mindestens so spannend wie "The Skull Mantra", in dem Shan zum ersten Mal auftrat, aber Pattison entwickelte  sich über "Water Touching Stone", "Bone Mountain" "Beautiful Ghosts" und "Prayer of a Dragon" weiter. Seine Gegner gewannen an charakterlicher Tiefe (in den vier "Zwischenromanen" waren sie jedes Mal ziemlich eindimensional), die Landschaftsbeschreibungen wurden noch eindrucksvoller, und die Mischung der tibetischen Religiosität aus Buddhismus und Dämonen-Geister-Götterglauben am Chamalungma, der gewaltigen Mutter der Berge,  mit der Shan sich auseinandersetzen muss, ist noch faszinierender.

Für Westler klingt sie erst einmal unglaublich. Wir haben ja alle den Dalei Lama gehört, einige seiner Bücher gelesen, aber bei ihm steht Buddhas Forderung nach Gelassenheit, die Suche nach geistiger Ruhe, der Verzicht auf Rache im Vordergrund. Von den tibetischen Dämonen und Schutzmächten außerhalb des ursprünglichen Buddhismus ist beim tibetischen "Kirchen"-Oberhaupt so gut wie nie die Rede. Eliot Pattison schildert sie so, wie die Tibeter sie selbst erleben - als unbezweifelte Realitäten, die tief ins tägliche Leben eingreifen. 

Ob Shan selbst daran glaubt? Pattison lässt das offen, deshalb pflegt er eine Mischung aus chinesischem Taoismus und Buddhismus, aber er berücksichtigt die immense Wirkung der alten Mächte. Besonders auf die modernen Tibeter, die sich mit der chinesischen Besatzungsmacht zu arrangieren versuchen (weil sie genauso unbeeinflussbar ist wie die Bergdämonen) oder gegen sie kämpfen, weil sie den Einhemischen ihren Glauben nur als Zutat zu Folklorefesten erlaubt.

Der Roman wurde 2008 zum ersten Mal veröffentlicht, und deshalb bietet er erstklassige Hintergrundinformationen für das aktuelle Drama, das sich in Tibet abspielt: über den Kampf der gläubigen Tibeter um religiöse wie politische Freiheit, über den unaufhörlichen, lebensgefährlichen Druck, den chinesische Politfunktionäre und Militärs auf das unterdrückte Volk ausüben, über die verzweifelte Suche zumindest mancher Einheimischer, eine größeres Stück vom kommunistisch-chinesischenWirtschaftskuchen abzubekommen.

"The Lord of Death" ist ein ganz besonders guter Kriminal-, aber auch ein immens politischer Thriller. Empfehlenswert nicht nur für alle, die von monumentalen Bergen träumen, sondern für Krimifreunde jeder Couleur.

Auf die deutsche Übersetzung müssen wir wohl noch etwas warten. Pattisons andere Tibet-Krimis sind bei Rütten & Loening und im Aufbau-Verlag auf deutsch erschienen und die Besprechungen natürlich alle auf readme zu finden unter den Titeln:
Der fremde Tibeter
Der Berg der toten Tibeter
Das tibetische Orakel
Der verlorene Sohn
Das Augen von Tibet

Ich habe das Buch gelesen und möchte ...

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