Thriller und Krimis / Literarische Krimis
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Trokosi
Buchauszug:
Gibt es jemanden in Ketanu oder Bedome, dem Glady´s Arbeit (als Aidsberaterin) nicht gefallen hat?"Timothy atmete langsam ein und wieder aus. "Leider ja. Sie ist heftig mit dem Obersten Priester von Bedome aneinander geraten, Togbe Adzima. Wegen seiner Trokosi. Ich schätze, Sie haben schon von den Trokosi gehört, Inspektor Dawson. Angeblich sind das Bräute der Götter, die als Wiedergutmachung für Verbrechen in der Familie im Heiligtum dienen. Oft werden sie schon als Mädchen hingebracht, manche sind nicht älter als neun, und sobald sie die Pubertät erreichen, haben die Fetischpriester Sex mit ihnen."
"Ich dachte, das ist längst verboten."
"Theoretisch schon. Dennoch ist bisher niemand im Zusammenhang mit den Trokosi verhaftet worden."
"Und warum nicht?"
"Ein Grund, wenn auch nicht der einzige, ist eine gute Propaganda. Die Fetischpriester, die übrigens nicht so genannt werden wollen, bestehen darauf, das es sich um eine uralte Tradition handle, die respektiert werden muss. Und sie behaupten, wenn jemand versucht diese Tradition abzuschaffen, werden die Götter zornig und rächen sich auf die eine oder andere Weise. Das macht sogar der Polizei Angst."
Die sehr gut lesbare Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch stammt von Sabine Schilasky.
README Buchbesprechung:
Autor: avb, Datum: 10.02.2010Buch-Bewertung:
Ein neuer, auf Anhieb erstaunlich guter Krimi-Autor: Kwei Quartey, in Ghana geboren und aufgewachsen, heute Arzt in Kalifornien. Ein neues Krimi-Land: das afrikanische Ghana. Eine neue, bei aller Fremdheit faszinierende Landskultur: die Mischung aus alten, immer noch gefürchteten Zaubertraditionen und moderner Wissenschaft. Ein neuer, sehr sympatischer Inspctor: Darko Dawson.
Er wird von seiner Vorgesetzten aus der Hauptstadt in das Buschland am Volta geschickt, um den Tod der jungen Aids-Aufklärerin Gladys zu untersuchen - und er fürchtet sich, weil im selben Dorf, in dem Gladys starb, einst seine Mutter verschwand, weil dort der Fetischpriester sich von seinen "Trokosi" bedienen lässt, weil er noch nicht einmal seiner doch so gut kochenden Tante trauen kann, in deren Haus er schließlich Unterschlupf findet.
"Trokosi" ist das Idealbuch für alle Krimileser, die mehr wollen, als die Schilderung eines Mordfalls - nämlich Neues erfahren über die Stadt und das Land, in denen die Erzählung spielt. So wie Jan Rankin das für Edinburgh geleistet hat, Donna Leon für Venedig, Barbara Nadel für Istanbul so bringt Kwei Quarty dem Leser seine Heimat Ghana nahe, seine hellen Seiten, die Freundlichkeit und Offenheit seiner Einwohner, wie die dunklen des alten Aberglaubens, der egoistischen Schamanen, der Ratsuchenden, die von den Fetischpriestern mindestens so oft bösen Zauber gegen Nachbarn und Konkurrenten wollen wie guten für die Familie und sich.
Für mich gehört "Trokosi" zu den besten Krimis, die ich seit langem gelesen habe. Trotz des so wenig reizvollen und erst nach dem Lesen verständlichen Titels.

